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Gynäkologie & Geburtshilfefehler

Geburtsschadensrecht

Als Rechtsanwälte und Fachanwälte für Medizinrecht, Sozialrecht und Versicherungsrecht nehmen wir die rechtlichen Interessen von Kindern und deren Eltern aus ganz Deutschland wahr, die vor, während oder nach der Geburt geschädigt wurden und mitunter an schwersten Behinderungen leiden (Hirnschäden, Lähmungen, Krampfanfälle) und dauerhaft auf Pflegeleistungen angewiesen sind.

Wie immer im Bereich der Arzthaftung steht der Behandlungsfehler und die ordnungsgemäße Aufklärung im Vordergrund. Hierzu ist es erforderlich, die kompletten Behandlungsunterlagen (Patientendokumentation) sicherzustellen und auszuwerten. Das gilt auch für etwaige Vor- und Nachbehandlungen.

Wir prüfen zunächst, ob ein - vermeidbarer - geburtshilflicher Fehler vorliegt. Hierzu steht uns ein Team aus Gynäkologen, Geburtshelfern, Kinderärzten (Pädiatern) und Neonatologen (Lehre vom Neugeborenen und dessen Erkrankungen; Teilgebiet der Pädiatrie) zur Verfügung, die uns bei Bedarf beratend und forensisch zur Seite stehen. Neonatologen sind vor allem in Kinderkliniken, Perinatalzentren und Geburtskliniken tätig. Sie sind zuständig für die – oft intensivmedizinische – Betreuung Neugeborener, beispielsweise wenn Probleme bei der Anpassung an das Leben außerhalb des Mutterleibs auftreten. Zudem behandeln sie Frühgeborene, Kinder aus Risikoschwangerschaften, Neugeborene mit Fehlbildungen oder Kinder, die krank zur Welt kommen bzw. in der Zeit kurz nach der Geburt erkranken.

Zeichnen sich schon während der Schwangerschaft mögliche Risiken ab, so empfiehlt sich die Überweisung in ein Perinatalzentrum, das auf derartige Fälle spezialisiert ist und eine intensive Betreuung von Mutter und Kind gewährleistet.

Vermeidbar ist ein Geburtsschaden, wenn auf reaktionspflichtige Befunde nicht oder unzureichend reagiert wurde. "Schadensersatz" und Schmerzensgeld sind dann davon abhängig, ob der Behandlungsfehler ursächlich für den Gesundheitsschaden ist.

In der anwaltlichen Praxis spielen häufig eine Rolle:

  • Schulterdystokie
  • vaginal-operative Entbindungen (Saugglocke oder Zange)
  • Beckenendlagegeburten (Steißgeburt)
  • Kaiserschnittentbindungen
  • abdominale Schnittentbindung (Notsectio), insbesondere bei Hypoxie (Unterversorgung mit Sauerstoff)

Die sehr seltene aber haftungsträchtigte Schulterdystokie erfordert einen besonders erfahrenen Geburtshelfer. Solange die Schulter nicht frei ist, darf nicht unkontrolliert Druck auf die Bauchdecke ausgeübt werden ("kristellern"). Ist der Rumpf schwierig zu entwicklen, ist regelmäßig ein Damm-Schnitt nötig. Insbesondere bei makrosomen Kindern oder bei Schwangerschaftdiabetes steigt das Risiko einer Schulterdystokie an. Ein übergroßes Kind an sich stellt jedoch noch keine absolute Indikation für einen Kaiserschnitt dar. Zeichnet sich ein Geburtsgewicht von mehr als 4.500 Gramm ab, ist stets über die Section aufzuklären. 

Eine Sauerstoffunterversorgung ist schnellstmöglich zu bekämpfen, um Hirnschädigungen zu vermeiden. Eine Verzögerung der Schnittentbindung stellt regelmäßig einen groben Behandlungsfehler dar. Dasselbe gilt, wenn auf ein zunehmend pathologisches CTG nicht angemessen reagiert wird. 

Die Aufklärung über echte alternative Behandlungsmethoden ist in der Geburtshilfe von besonderer Bedeutung. Ist zum Beispiel eine Schnittentbindung eine medizinisch vertretbare, ernsthafte Behandlungsalternative zur Spontangeburt (u.a. bei Beckendendlage, Missverhältnis zwischen Kopfumfang um Becken oder Mehrlingsgeburten), dann ist die Schwangere (Gravida) darüber aufzuklären. Denn die Mutter hat darüber zu entscheiden, in welche Behandlung sie einwilligen möchte. Das kann sie aber nur, wenn sie im Großen und Ganzen Kenntnis hat und das einzugehende Risiko abwägen kann. So hat der für das Arzthaftungsrecht zuständige 6. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGH, Urteil vom 16.02.1993, VI ZR 300/91) entschieden:

"Bestehen deutliche Anzeichen dafür, daß im weiteren Verlauf eines Entbindungsvorgangs eine Situation eintreten kann, in der eine normale vaginale Entbindung kaum noch in Betracht kommt, sondern eine Schnittentbindung notwendig oder zumindest zu einer echten Alternative zu einer vaginalen Entbindung wird, dann muß der geburtsleitende Arzt die Mutter bereits zu einem Zeitpunkt über die unterschiedlichen Risiken der Entbindungsmethoden aufklären und ihre Entscheidung einholen, zu dem sie sich noch in einem Zustand befindet, in dem diese Problematik mit ihr besprochen werden kann."

 

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