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MPK-Partner Penteridis im aktuellen Anwaltsblatt im Portrait

Anwaltsblatt Portrait

Der virtuelle Netzwerker – Erfolgs­strategie Internet­mar­keting


Eigentlich würde sich Nikolaos Penteridis als sachlichen Typen bezeichnen. Jemand, der sich gut konzen­trieren, auf die Belange seiner Mandanten eingehen und recht frei von Emotionen beraten kann. Jemand, bei dem es etwas braucht, um ihn in seinen Grundfesten zu erschüttern.

Vor Kurzem war es so. Da saß der Fachanwalt für Medizin, Sozial und Versiche­rungsrecht im Kinder­zimmer seines Mandanten, einem 10jährigen Jungen, der undefi­nierbare Laute von sich gab und kaum laufen konnte. Bei der Geburt hatten die Ärzte einen Herzfehler übersehen, es war zum Herzstillstand gekommen und einer damit verbundenen Sauerstoff­un­ter­ver­sorgung. Seitdem ist der Junge schwerst­be­hindert, ein Pflegefall. „Das bedrückende an der Situation ist, dass sein Zwillings­bruder kerngesund zur Welt gekommen ist“, erinnert sich Penteridis. Der gesunde Bruder kam bei dem Treffen nur kurz ins Zimmer und verschwand dann wie ein Geist, sagt der Anwalt. „Das eine Geschwis­terkind wird immer im Vordergrund stehen, weil es hilfsbe­dürftiger als das andere ist – die Mutter kann ihren Beruf nicht ausüben, der Vater muss allein für das Einkommen sorgen“. Schicksale wie diese, sagt der 40Jährige, seien so bedrückend, weil sie die gesamte Familie in all ihrer Wucht treffen. „So etwas nimmt einen mit“, sagt er und betont, dass Fälle wie diese für ihn wichtig seien. Sie seien ein Seismograph für seine inneren Werte und erinnern ihn immer wieder an die Frage, die ihn seit seinem Studium bewegt: Was ist eine gerechte Lösung?

Eine Kanzlei in der ländlichen Idylle

Seit zwölf Jahren befasst Penteridis sich mit Fragen rund um das Haftungsrecht. Gemeinsam mit dem Anwalt MarcOliver Melzer hat er 2007 eine Kanzlei für Medizin, Sozial, Versicherungs und Arbeitsrecht eröffnet, mitten in der ländlichen Idylle, in einem alten Fachwerk­bau­ernhaus, rund zehn Kilometer von Paderborn entfernt. Neben einer Fachan­wältin für Arbeitsrecht, die seit 2015 Partnerin der Kanzlei ist, arbeiten noch zwei Refas in Teilzeit für das Team. Die Mandanten sind Opfer von Arbeits­un­fällen, die berufs­unfähig geworden sind und deren private Versicherung nicht zahlen will. Eltern, deren Nachkommen durch Behand­lungs­fehler oder technische Pannen missge­bildet zur Welt gekommen sind und die für eine finanzielle Entschä­digung über den eigenen Tod hinaus streiten, um ihre Kinder sicher versorgt zu wissen. Unfallopfer, deren Beine keinerlei Funktionen mehr haben und von der privaten Unfall­ver­si­cherung die vertraglich vereinbarte Invali­di­täts­leistung verlangen.

Corona hat den Kanzlei­alltag verändert

Seit der Coronakrise ist es ruhiger geworden in seiner Kanzlei. Die Mitarbeiter dürfen zum Teil im Homeoffice arbeiten, zu Beginn der Krise hat er Mandanten nur per Telefon, Videochat oder SMS beraten. Mittlerweile ist dies auch wieder im Büro möglich – unter Beachtung der Infekti­ons­schutz­emp­feh­lungen. Noch ist es zu früh, um voraus­zusehen, was die Coronakrise an Klagen und Verfahren mit sich bringen wird. Zurzeit kann er nur einen Blick in die Glaskugel werfen. „Im Arbeitsrecht wird es vermutlich um Probleme bei Kurzarbeit oder Änderungs­kün­di­gungen gehen, im Medizinrecht werden aufgeschobene Fälle, die noch vor der Krise aktuell waren, in einer Welle auf ihn zukommen – und im Sozialrecht kann es um Entschä­di­gungen nach dem Infekti­ons­schutz­gesetz gehen: Wer entschädigt, wenn nicht mehr gearbeitet werden kann, weil der Job aufgrund der Krise nicht mehr existiert oder stark eingeschränkt wurde?“

Virtuelle Kommuni­kation – Für Penteridis kein Problem

Für Penteridis ist der virtuelle Kontakt zu seinen Mandanten nichts Neues. Im Gegenteil. Er empfängt nur etwa 50 Prozent seiner Mandanten in der Kanzlei, mit dem Rest kommuniziert er virtuell, denn die Mandanten stammen aus ganz Deutschland. Der elektro­nische Weg sei praktisch, gut umsetzbar und ein Teil des Erfolgs der Kanzlei. Ohne die vollau­to­ma­ti­sierte Arbeitsweise müsste er weit mehr Mitarbeiter beschäftigen. „Wir haben kaum noch Papierkram, Akten müssen unsere Refas auch nicht mehr heraus­suchen, da wir alles elektronisch speichern,“ sagt er, „wir können von jedem Punkt der Erde aus auf jede Information zugreifen“. Eine große Zeiter­sparnis seien auch Sprach­er­ken­nungstools, die sie für fast jedes Diktat nutzen.

Digitale Mandanten-Akquise und Mandats­be­treuung

Auch beim Marketing setzt das Team neben Veröffent­li­chungen in der örtlichen Presse auf das Internet: „Wir füttern unsere Website mit aktuellen Nachrichten und animieren Mandanten dazu, uns im Netz zu bewerten“. Dadurch habe die Kanzlei in den letzten Jahren eine große Bekanntheit erlangt. Zudem helfe auch das Publizieren von Fachar­tikeln in einer Zeitschrift für Versiche­rungsrecht, Vorträge bei Anwalts­kammern und Anwalt­vereinen und Penteridis Funktion als Vorsit­zender des Anwalts­vereins Paderborn und inzwischen auch der Arbeits­ge­mein­schaft Sozialrecht im DAV.

Von den virtuellen Möglich­keiten der Mandats­be­treuung und des Marketings ist Penteridis nach wie vor fasziniert. „Ohne das Internet wäre unsere Gründung nicht möglich gewesen“, sagt er. „Wir hatten null Kontakte, als wir nach dem Examen in die Selbst­stän­digkeit starteten.“ Den Schlüs­se­l­erfolg sahen die beiden Gründer damals wie heute in der Spezia­li­sierung auf die Rechts­gebiete und dem Online­Mar­keting – und dennoch: Es hätte auch schiefgehen können. Ursprünglich hätten sie ausschließlich Medizinrecht anbieten wollen, für Patienten, aber auch Kliniken und Ärzte. „Die wenigen Mandate auf diesem Gebiet wurden nach unserem Eindruck unter einigen big playern verteilt und erfordern viel arztrechtliche Praxis“, erinnert er sich. „Als Anfänger kam man da kaum rein, der Aufwand rechnete sich nicht.“ Zudem stünden Anwälte, die für beide Seiten des OP oder Behand­lungs­tisches stritten, schnell vor einem Vertrauens und Glaubwür­dig­keits­problem bei den Mandanten.

Das Sozialrecht: eine Herzens­an­ge­le­genheit

Die Kanzlei fährt also gut mit der Kombination mehrerer Rechts­gebiete, die sich um das Thema Medizin gruppieren – wobei das Sozialrecht einen besonderen Schwerpunkt einnimmt. Es ist eine Art Herzens­an­ge­le­genheit von Penteridis. „Viele unterschätzen das Rechts­gebiet, weil die gesetz­lichen Gebühren in dem Bereich nicht üppig sind“, sagt er. „Aber die Gesell­schaft wird immer älter und somit werden immer mehr Sozial­leis­tungen in Anspruch genommen“. Der Gesetzgeber weite Sozial­leis­tungen, gerade im Bereich Pflege, immer weiter aus, die Regelungen für die Leistungs­er­bringer seien dabei kompliziert und komplex. Auch daher hält er eine Spezia­li­sierung im Sozialrecht für durchaus lukrativ. „Wer sich als Anwalt zum Beispiel auf Leistungs­be­zieher konzen­triert, lebt zwar von gesetzlich geringen Gebühren, aber auch mit demjenigen, der eine Rente, einen Grad der Behinderung von 50 oder die Anerkennung einer Berufs­krankheit begehrt, können Sie eine Vergütungs­ver­ein­barung abschließen“. Auch Hörakustiker, Sanitäts­häuser und Pflege­dienste hätten schließlich Bedarf an sozial­recht­licher Beratung. „Idealerweise kombinieren Sie das Sozialrecht mit flankie­renden Rechts­ge­bieten: Medizinrecht, Versiche­rungsrecht, Erbrecht, Famili­enrecht oder Arbeitsrecht, denn sozial­rechtliche Fragen wirken sich teilweise auf diese Rechts­gebiete aus oder umgekehrt.“

Mut und Arbeitsethos

Der Unterneh­merblick ist allgegen­wärtig für Penteridis. Er sieht seine Leistung als Produkt, das er an die Marktlage anpasst und immer weiter­ent­wickelt. „Ich überlege neue Maßnahmen und Strategien mit dem Ziel im Zweifel ein besseres Produkt anzubieten – vom Prinzip her ähnlich wie bei einem mittel­stän­dischen Schrau­ben­her­steller“. Am Ende des Tages müsse ein Plus heraus­kommen.

Der Mut zu gründen liegt bei Penteridis in den Genen. Seine Eltern, sagt er, kamen in den 1960er-Jahren mit nichts als einem Koffer aus Griechenland. „Sie haben sich eine Existenz aufgebaut und irgendwann eine Taverne eröffnet, in der ich als Junge gerne und oft ausgeholfen habe“. Sein Arbeitsethos und sein Interesse an Menschen kommen aus dieser Zeit. Immer wenn Penteridis heute Zweifel kommen, denkt er an die Worte seiner Eltern, als er ihnen erzählte, dass er gründen möchte: „Junge, sei mutig, probier‘ was aus! Was kann passieren? Wenn du fällst, stehst du wieder auf. Das Wichtigste ist, dass du gesund bist.“

Gerade jetzt, in Zeiten der Epidemie, sagt Penteridis, haben diese Worte eine um so stärkere Wucht.

 Zur Person

Nikolaos Penteridis ist seit 2007 Rechts­anwalt. Von 1999 bis 2004 studierte Penteridis Rechts­wis­sen­schaften an der Universität Bielefeld. Sein Referen­dariat absolvierte er von 2005 bis 2007 am OLG Hamm unter anderem bei der Landes­ver­tretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund in Berlin. Gleich nach seiner Zulassung zum Rechts­anwalt gründete er zusammen mit Anwalt Marc-Oliver Melzer 2007 eine Kanzlei für Medizin-, Sozial-, Versicherungs- und Arbeitsrecht in der Nähe von Paderborn. Seit 2010 ist Penteridis auch Fachanwalt für Medizinrecht, Sozialrecht und Versiche­rungsrecht.

Er engagiert sich eheren­amtlich beim DAV und ist seit 2015 Vorsit­zender des Anwalts- und Notarverein Paderborn und seit 2018 Vorsit­zender der Arbeits­ge­mein­schaft Sozialrecht im Deutschen Anwalt­verein. Penteridis publiziert regelmäßig in der Zeitschrift „Versicherung und Recht kompakt“ und ist in der Rechts­an­walts­kammer Hamm aktiv. Er ist Dozent bei verschiedenen Institu­tionen in der Rechts­an­walts­fort­bildung.


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